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Mai 04

Ludwigsort an der Reichstraße 1 – Ein kleiner Überblick und Rückblick

( Rudi Lewedey, Rosenberg)

Der nachfolgende Bericht wurde am 22. Februar 2005 aus dem Heimatbuch von Johannes Guttzeit von Landsmann Rudi Lewedey aus Heiligenbeil-Rosenberg, heute in 78588 Denkingen, Brühlstraße 8 (Tel. 07424 / 85951), erstellt.

LudwigsortAm 17. Mai 1939 hatte die Gemeinde Ludwigsort mit Charlottenthal und Schneewalde 1252 Einwohner. Der Amtsvorsteher für Ludwigsort war der Gutsbesitzer Arthur Dyck aus Wendelau, Fernsprecher Ludwigsort 11. Im Kreis gab es 34 Amtsbezirke. Landjäger Postämter bzw. Poststellen und Nebenstellen, eine davon war Ludwigsort. Von spätestens 1862 an ging eine Personenpost von Zinten nach Ludwigsort.

Der Kreis Heiligenbeil war in drei Zahlbezirke eingeteilt; Heiligenbeil, Zinten und Lud­wigsort. Hier konnten die Arbeitslosen ihre Unterstützung nach Vorlage der Meldekarte an festgesetzten Zahltagen in Empfang nehmen.

Zu der ersten bedeutenden Maßnahmen des Arbeitsbeschaffungsprogramms nach 1933 gehörte der Bau der Reichsautobahn von Elbing nach Königsberg Pr.. Die Trasse hierfür durchschnitt den Kreis Heiligenbeil in seiner ganzen Länge und nahm nicht nur alle Ar­beitslosen des Kreises dem Heiligenbeiler Arbeitsamt ab, sondern erforderte auch noch zusätzliche weitere Arbeitskräfte im überbezirklichen Ausgleich aus den Nachbarkreisen und der übrigen Provinz. In den Jahren 1936/38 wurden dann noch weitere Bauvorhaben verwirklicht: Das Industriewerk in Heiligenbell, die Munitionsanstalt in Ludwigsort und der Flugplatz mit den dazugehörigen Unterkünften für die Fliegertruppen in der Kreis­stadt.

Als 1886/87 der Hafen Brandenburg erbaut wurde, besuchten die Königsberger die Brandenburger Heide und den Luftkurort Ludwigsort. Auch der Herdes, der nördlich der Eisenbahnstrecke Ludwigsort – Pörschken lag, zog die Sommerfrischler an. Der schmale, 3,20 ha große Hammerteich bei Ludwigsort erstreckt sich zwischen der Eisenbahn strecke und der Reichsstraße 1. Er gehört zum Gut Ludwigsort, liegt 9 m über NN und wird von dem Hammer- oder Mühlenfließ durchflössen, das nach vielen Windungen in Patersort ins Frische Haff mündet. Er hat d en Ursprung in der „Christians Rieh" südlich Wendelau und westlich Kopainen. Die minderwertigsten Böden, deren Ertrag weit unter dem Kreis­durchschnitt (32 Silbergroschen) lag, fanden sich in Ludwigsort, Scholen und Heide. Am niedrigsten war der Grundsteuer – Reinertrag von Heide mit 2,31 Mark Ludwigsort 4,34 Mark; Stolzenberg 4,76 Mark, Scholen zu Pohren 4,57 Mark, Pr. Wäldchen 5,01 Mark; Dösenbruch 5,07 Mark, Tiefensee 5,28 Mark:

Am 13. Januar 1929 wurde die neue Kraftpostlinie Heiligenbeil – Ludwigsort mit den Stichlinien Bladiau, Wohttnick und Bladiau – Lank eröffnet; doch schon nach einer Woche mußte der Betrieb der gewaltigen Schneemassen wegen eingestellt werden. Ebenso erging es den übrigen Kraftpostlinien Natangens.

In Wolitta und Kahlholz fing man um 1900 herum Sprehne (Stare) und verkaufte sie für 5 Pfennige das Stück nach Ludwigsort. Die Stare wurden 24 Stunden lang in Buttermilch gelegt, gebraten und galten als Delikatesse. Ich selbst habe sie in Rosenberg mit Aalreusen im Ebereschenbaum gefangen und am Spieß am offenen Lagerfeuer gebraten, sie schmeck­ten wie Tauben. Zu den Naturdenkmälern gehören vor allem erdgeschichtliche Bildungen. Findlinge , Wasserläufe alte oder seltene Bäume. Reich war unser Kreis an Baumriesen, die Dank der Kreisverwaltung schon zum Teil unter Naturschutz standen. Besonders Stolz waren wir auf unsere starken Eichen. Zwar wird ihr Alter meist überschätzt. Die stärkste Eiche in Cadinen dürfte kaum 700 Jahre zählen. Die stärkste Eiche unseres Kreises, die zugleich die zweitstärkste Ostpreußens war, stand im Garten von Romansgut. Sie hatte schon stark gelitten und bestand aus einem nach Westen liegenden grünenden Teil nach einem nach Südosten stehenden toten und entrindeten Stück, daß sich oben an den leben­den Stamm lehnte. Infolge von Blitzschlag war ihm vor etwa 150 Jahre ein Teil der Krone geraubt. Der Stammumfang, 1 m über der Erde gemessen, betrug um 1930, 8,35 m, Höhe und Kronen Durchmesser je 22 m. Ein noch völlig gesunder Baumriese ist die Eiche in Ludwigsort nahe bei dem Gasthause mit einem Umfang von 6,80 m, 29 m Höhe und 32 m Krone .Am Marienstege in Ludwigsort und in Rippen gab es auch mächtiger Rotbuchen. Mächtige Pappeln fanden wir an dem von Kapitän Schienert im Jahre 1817 angelegten Philosophengang in Heiligenbeil sowie im Park von Karben und Lüdtkenfürst, riesige Kastanien im Park von Paplauken.

Um 500 v. Chr. beginnt die frühe Eisenzeit, auch La-Tene-Zeit genannt. In dieser Peri­ode wurden die Toten in Flachgräber beigesetzt, die meist in größerer Zahl nebeneinan­der liegen; man spricht deshalb von Flachgräberfelder. 1926 wurde ein solches Flachgrab südwestlich des Schneckenberges zerstört; danach konnte eine in einer Brandschicht auf Steinen ruhende Urne mit Leichenbrand, einem bronzenen Fingerring und einem Stück Bernstein geborgen werden. Aus dem Gräberfeld nordöstlich des Guts Ludwigsort stellte W. Gaerte eine Urne unter einer Steinpackung sicher; zwei andere Gefäße hatten schräge Eindrücke, das eine auch vier Henkel. Das Gräberfeld mit Brandbestattung auf dem Gal­genberge von Wangmeskeim lieferte zwei bronzene gehenkelte Hohläxte mit Riefelungen, eine Sichel, zwei Lanzenspitzen und anderes mehr. Erst nach den napoleonischen Kriegen ließ die Provinz Ostpreußen abseits der geschichtlichen Landstraße von 1818 ab die Berliner Chaussee erbauen. Sie wurde Ende September 1826 zwischen Königsberg und Braunsberg fertiggestellt und dem öffentlichen Verkehr übergeben. Sie lief infast gerader Linienführung bei einer Länge von 42,772 km durch unseren Kreis, und zwar durch die Orte Brandenburg, Ludwigsort, Bladiau, Heiligenbeil und Granau und erschloß das nördliche und westliche Kreisgebiet. Diese Berliner Chaussee war die erste Kunststraße Ostpreußens. Als dann durch die Reichsverordnung vom 28. Mai 1935 bestimmte Straßen für den durchgehenden Überlandverkehr zu Reichsstraßen erklärt wurden, erhielt unsere Provinzialchaussee die Bezeichnung Reichsstraße 1. Später werden im Straßenverzeichnis 139,6 km Kreisstraßen genannt, die von Ludwigsort nach Zinten ist auch dabei aufgeführt (15,7 km).

Unser Heimatkreis erhielt mit dem Bau der Ostbahn, der ersten Eisenbahnlinie Ostpreu­ßen, eine wichtige Verkehrsverbindung nach der Provinzialhauptstadt und nach Berlin. Das Teilstück zwischen Braunsberg und Königsberg wurde am 2. August 1853 eröffnet, es durchquert unseren Kreis in einer Länge von 45,2 km. Heiligenbeil, Gr. Hoppenbruch, Wolittnick, Ludwigsort, Pörschken und Kobbelbude (bereits im Kreis Königsberg) wur­den wichtige Bahnstationen für den Personen und Güterverkehr.

Rindviehzucht im Kreis! Der Kreis Heiligenbeil ist nach Boden und klimatischen Ver­hältnissen auf Rindviehhaltung und -zucht stark angewiesen. Es überwiegt im allgemeinen mittelschwerer bis schwerer Boden, der sehr graswüchsig ist und eine gute Weide abgibt. Die Güter Ludwigsort und Maraunen züchteten Airshire-Vieh. Begehrt waren starke Arbeitsochsen mit kräftigem Knochenbau, vor allem breit und tief in der Körperform als Zugvieh zum Pflügen und Eggen.

Im Pferdeland Ostpreußen gehörte der Kreis Heiligenbeil zum Landgestütbezirk Braunsberg und wurde auf den Deckstellen Karben, Bladiau, Ludwigsort, Deutsch Thierau und Jäcknitz mit Braunsberger Landbeschälern versorgt. Dies Landgestüt gab es erst seit 1891.

Die dritte Deckstelle längst des Frischen Haffs an der Straße nach Königsberg war Ludwigsort, deren Hauptstütze die Zucht der Frau v. Schichau in Rippen neben einigen bäuerlichen Zuchten und dem Gutsbetrieb des Restgutes Ludwigsort selbst waren.

In der zweiten Hälfte des 19. Jh. hat man wohl versucht, auch eine Forellenzucht einzu­bürgern. Der Fischereiverein legte 1877 in Ludwigsort eine Brutanstalt an. In einem 6 qm großen Bretterhäuschen waren ein Kiesfilter und ein hölzerner Brottrog zur Aufnahme von etwa 20000 Bachforellen aufgestellt. Das aus einem oberhalb gelegenen Teiche zugeführte Wasser war im Frühjahr bei Tauwetter durch den Zufluß schädlicher Stoffe unbrauchbar geworden, so daß die Eier anderweitig untergebracht werden mußten. Ob die Brutanstalt dann weiter bestanden hat, ist unbekannt.

In besonders waldreichen Gegenden gab es in der Ordenszeit ganze Beutnerdörfer, deren Einwohner sich fast ausschließlich mit Bienenzucht beschäftigten. Ein vom Deutschen Orden eingesetzter Biener war der Pruße Matz Stahl, der seit 1469 auf dem 6 Hufen großen Gut Nadappen, dem späteren Charlottenthal bei Ludwigsort, saß.

Die Privatwälder gehörten entweder Gütern oder zu Bauernhöfen. Ludwigsort hatte 52 ha (Richter war der Besitzer)

Bei Gründung des Truppenübungsplatzes Stablack wurde der „Stablack" Revierförsterei Stablack und Wilhelmshöhe am 1. Okt. 1935 an die Heeresforstverwaltung abgetreten.

Die Gesamtgröße des Forstamtes änderte sich dadurch allerdings nur wenig, weil gleichzeitig Verwaltung des Forstamtes Pr. Eylau übergingen. Hierdurch wurde aber das flächenmäßige Gewicht des Forstverwaltungsbezirks mehr als bisher in den Kreis Hei­ligenbeil verlagert. Bisher hatten im Bereich dieses Nachbarkreises nur die Förstereien „Schönwalder Heide" und Lauenberg sowie „Brandenburger Heide" zum Forstamt Pr. Eylau gehört. Nach diesen Flächenveränderungen hatte das Forstamt Pr. Eylau 1937 eine Größe von 5690 ha, gegen 5100 ha im Jahre 1926. Nach 1937 mußten dann noch 266 ha zur Einrichtung der Munitionsanstalt (MUNA) in Ludwigsort an die Heeresverwaltung abgetreten werden. Anderseits kamen ehemalige kleine Gutswaldungen (Lokehner Wald bei Zinten und Sonnenstuhl bei Braunsberg) mit zusammen etwa 83 ha hinzu.

In Ober Ecker errichtete der Kaufmann Feidt aus Königsberg im Jahre 1855 an Stelle der Papiermühle einen Eisen- u. Kupferhammer, die er nebst Kohlenschuppen und Wohnung, Garten und Kartoffelland an einen Hammermeister verpachtete. Dieser war verpflichtet, alle 14 Tage auf Verlangen das in den Hämmern gefertigte Eisen nach einem der nächsthe­genden Bahnhöfe, Kobbelbude oder Ludwigort, zu schaffen und von da das zum Betrieb notwendige Material abzuholen.

Markgraf Georg Friedrich ließ um 1590 am Hammerfluß zwischen Patersort und Schwanis hinter dem Buchwalde die Papiermühle Ludwigsort mit zwei Stampfen bauen. Bis zum 18. Jh. führte die Papiermühle in ihren Erzeugnissen ein Wasserzeichen, das eine Schlange, Kleeblätter und Blüten verschieden zusammen gestellt zeigt; nach 1707 weisen sie den Namen Ludwigsort auf. Grünwehr hatte im Jahre 1746 1446 Ries Papier geliefert, wesentlich mehr als die Papiermühlen Karben oder Ludwigsort. 1756 hatte es acht Sorten Papier, und zwar 2170 Ries verkauft, 1803 hatte Beckstein nicht nur Marienpapier, sondern auch Adler- und Karpfen-Papier hergestellt, zusammen 105 Ballen. Die Papiermühle dürfte vor Mitte des 19. Jh. eingegangen sein.

Verein für Leibesübungen…Der VFL-Ludwigsort wurde 1929 gegründet und ging aus der seit 1922 bestehenden Jugendgruppe hervor, die Max Kimritz geleitet hatte. Dem Gründungsvorstand gehörten an: Paul Brandt, Vorsitzender, Kimritz, Stellvertreter, E. Steinau und Ewald Petter.

Der Verein zählte über 60 Mitglieder und hatte die Vereinsfarben schwarz-weiß. Der bereits von der Jugendgruppe begonnene Ausbau des Sportplatzes – herrlich gelegen zwi­schen dem Weg nach Patersort und dem Mariensteg, am bewaldeten Steilufer des Ham­merflusses – wurde durch selbstlosen Einsatz aller Mitglieder zügig fortgesetzt, bis er am 10. August 1930 anläßlich des Kreisjugendfestes durch den Kreisjugendpfleger Dr. Alfred Kluge – Zinten eingeweiht werden konnte. 31 Vereine mit über 600 Teilnehmern waren zur Einweihung erschienen. Im Jahre 1929 fanden in Ludwigsort bereits die leichtathletischen Meisterschaften der Spielgemeinschaft Heiligenbeil statt. Die Wettkämpfe am Verfassungs­tag (11. August 1931) und die Reichsjugendwettkämpfe, verbunden mit den Vereinsmeis­terschaften, am 18. September 1932 verdienen ebenfalls besonders erwähnt zu werden. Aus der Zeit der Jugendgruppe Ludwigsort haben sich vor allem die Gründer Max Kimritz und Gutsbesitzer Julius Schmidt besondere Verdienste erworben. Das Vereinsleben ging nach 1933 erheblich zurück, da viele Sportler zur SA und HJ überwechselten. Der VfL hat sich aber nicht aufgelöst und die Zeit bis zum Kriegsbeginn 1939 tapfer durchgestanden.

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